EIn Sattel ein Pferdeleben lang klingt erstmal wunderbar. Einmal eine nervenaufreibende Suche, einmal investieren und dann ist das Thema erledigt. Naja, vielleicht hin und wieder eine Anpassung.
Das Problem: So funktioniert kein Körper.
Wenn dein Sattel 20 Jahre passt, hat sich in 20 Jahren nichts verändert- und das ist kein gutes Zeichen....
Lass uns kurz zurückgehen.
Was war vor 20 Jahren?
Ich war stolz wie Oskar, weil ich meine erste Reitbeteiligung hatte. Einmal die Woche Reitstunde und einmal ausreiten. Keine großen Gedanken darüber, was „passt“ oder „nicht passt“.
Als ich kurz darauf mein eigenes Pferd übernommen habe, war da einfach ein Sattel dabei und damit war das Thema erledigt.

sogar gesprungen bin ich mit diesem Islandsattel
Damals hat dieser Sattel nicht schlecht gesessen- heute würde ich nicht mehr aufsteigen, selbst wenn er noch passen würde. Nicht, weil der Sattel plötzlich schlechter geworden ist, sondern weil sich mein Blick verändert hat.
Es gibt Dinge, die für mich heute nicht verhandelbar sind, eines davon ist der Schwerpunkt des Sattels, also des Reiters. Dieser gehört nach vorne über den Schwerpunkt des Pferdes, nicht dahinter.
Wenn das nicht gegeben ist, spielt es keine Rolle, wie „gut“ der Sattel sonst aussieht. Und genau hier beginnt der Denkfehler. Die meisten fragen: Passt der Sattel? Die sinnvollere Frage wäre: Welche Auswirkungen hat dieser Sattel auf mein Pferd?
Denn dein Pferd verändert sich.
Nicht irgendwann, sondern ständig.
Muskulatur baut sich auf und ab
Bewegungsmuster entwickeln sich oder verfestigen sich
Gewicht verändert sich
Balance verschiebt sich
Du siehst es nicht immer sofort, aber es passiert trotzdem.
Und jetzt wird es unangenehm: Wenn sich dein Pferd über Jahre nicht sichtbar verändert, ist das kein Zeichen für Stabilität, sondern oft ein Zeichen dafür, dass Entwicklung nicht stattfindet.
Ein Körper, der sich nicht verändert, ist selten ein gesunder Körper.
Und leider sind etwa 70% der Pferde, die ich sehe, entweder trageerschöpft, zu dick oder beides- von den Ausweichbewegungen nicht zu sprechen. Als Resultat gibt es endlos viele Pferde mit Rückenproblemen, Kissing Spines, Athrose, Sehnen- und Fesselträgerschäden, Knie- und Atemproblemen oder Magengeschwüren.
Ja, das hängt alles zusammen.

mein eignes Pferd Lagsi, den ihr auf dem ersten Foto vor 17 Jahren schon gesehen habt, ist mit seinen 29 Jahren für eine Trageerschöpfung ein Beispiel.
Ja, wir arbeiten daran, dass es nicht mehr wird, weshalb er noch ziemlich fit ist- aber geritten wird er im Moment von mir nicht. Noch nicht, oder nicht mehr- das wird sich zeigen.
Reiten ist kein „Erhalten“, es ist Training und Training bedeutet immer: Veränderung.
Das gilt auch für den Sattel
Ein Sattel, der Entwicklung zulässt, wird sich irgendwann nicht mehr gleich anfühlen- vielleicht klappt es über eine Anpassung, vielleicht muss ein anderer her.
Ein Sattel, der immer gleich bleibt, verhindert oft genau diese Entwicklung. Ja, es gibt auch Sättel, die die Pferde in Trageerschöpfung halten.
Was dabei nicht beachtet wird:
Unterstützt der Sattel die Bewegung?
Ermöglicht er Veränderung?
Oder stabilisiert er nur den aktuellen Zustand?
Denn genau hier entscheidet sich, ob dein Pferd langfristig tragfähig bleibt, oder ob Probleme nur verzögert werden.
Der eigentliche Punkt
Es geht nicht darum, den “für immer” perfekten Sattel zu finden, sondern den perfekten Sattel in diesem Moment.
Ein Sattel ist Teil eines Systems, das sich ständig verändert und genau deshalb gilt:
Ein Sattel für ein Pferdeleben bedeutet oft ein Pferdeleben ohne Entwicklung.
Fazit
Wenn dein Sattel seit Jahren „einfach funktioniert“, stell dir nicht die Frage, ob das gut ist, sondern:
Was hat sich in dieser Zeit nicht verändert? Was hättest du dir anders gewünscht? Und wo soll die Entwicklung hin gehen?
Mehr dazu bei the Saddlematrix.