„So ein zusätzlicher Puffer kann nie schaden.“
Genau deshalb werden Pads mit besten Absichten unter den Sattel gelegt. Vorher sollten wir uns allerdings fragen: Was soll das Pad wirklich leisten?
Der Denkfehler
Gehen wir mal vom „perfekt passenden Maßsattel“ aus und selbst da wird es schon schwierig, denn wir haben keinen konstanten Pferdeköper. Alleine im Stand kann das Pferd den Rumpf entspannt hängen lassen oder aktiv anheben und in den Lift gehen- von den Differenzen in den Verschiedenen Gangarten und Bewegungsmustern ganz zu schweigen.
Ein Pferderücken ist nie konstant- und der „perfekt passenden Maßsattel“ ein Märchen.
Und genau hier kommen Pads ins Spiel
Ja, zusätzliche Stoßdämpfer können sinnvoll sein, ein grösserer Spielraum in dem der Sattel nicht stört, ist das, was wir wollen. Und da reicht das Sattelkissen manchmal einfach nicht aus.
Aber: Nicht jedes Pad ist ein Stoßdämpfer

Gelpads – weich gedacht, problematisch gemacht
Diese modernen Gelpads mit den Löchern. Ja, sie können etwas dämpfen, aber sie machen noch etwas anderes: Sie kleben.
Und genau das ist das Problem.
Der Sattel soll nicht rutschen – aber er muss sich bewegen können
Der Sattel und der Pferderücken müssen: arbeiten können
Nicht festkleben und nicht blockieren. Wenn ein Pad das verhindert, dann hast du kein Komfortproblem gelöst. Du hast Bewegung eingeschränkt.
Und wenn der Sattel „nur“ mit Gelpad funktioniert?
Dann liegt das Problem woanders:
- im Pferd
- in der Tragfähigkeit
- im Reiter
- oder im Sattel selbst
Gelpad als Stoßdämpfer? Lieber nicht.
Lammfell – klassisch, aber nicht banal

Ja, echtes Lammfell. Und nein: Der synthetische Kram ist keine Alternative, auch wenn er günstiger ist.
Ein gutes Lammfellpad kann sehr viel – wenn es richtig aufgebaut ist.
Worauf du achten musst
- kein störender Fellrand unter dem Sattel
- tief genug ausgeschnitten (vor allem vorne!)
- freier Wirbelkanal (in den meisten Fällen sinnvoll)
Und jetzt wird es interessant
Wenn du wirklich dämpfen willst: Lammfell direkt auf den Rücken – unter die Schabracke
Warum?
- belüftend
- durchblutungsfördernd
- temperaturregulierend
Mehr Schweiß? Ja, und das ist gut. Das ist Kühlung.
Aber: Pflege entscheidet
Wenn du das nicht:
- regelmäßig ausbürstest
- sauber hältst
wird es:
- hart
- klumpig
- kontraproduktiv
Und genau deshalb bin ich kein Fan von Lammfellgurten (dazu mehr im Sattelgurt-Guide)
Memoryform – Hightech mit Haken
Diese dicken, weichen Pads. 3–4 cm. Fühlt sich erstmal toll an. Problem: Weich heißt nicht gleich druckverteilend.
Was oft passiert
Druck wird zwar reduziert, aber gerade um die Dornfortsätze entstehen vorher nicht dagewesene Druckspitzen.
Mit solchen Pads: reines Glücksspiel
Wenn dein Sattel nach vorne oder hinten kippt, dann brauchst du keine "weiche Lösung", sondern eine gezielte Korrektur.
Und genau hier ist Lammfell überlegen
- mit Einschüben
- kontrollierbar
- anpassbar
Aber: Es gibt eine Ausnahme
Dünne Memoryform-Pads (ca. 10–15 mm), dienen als leichte Dämpfung und zur feinen Korrektur. Haben allerdings im Winter das Problem, dass sie kalt erstmal knüppelhart und unangenehm sind. Weshalb unbedingt die Lagerung beachtet werden muss
Und Achtung: Widerristausschnitt
Klingt gut, ist aber oft problematisch. Denn wenn es doof läuft entstehen dadurch Kanten, die der Sattel eigentlich nicht hat.
Fazit
Ein zusätzliches Pad kann sinnvoll sein. Aber nur, wenn es ins System passt und eine Funktion erfüllt
Nicht:
- weil es weich ist
- weil es modern ist
- weil es „alle benutzen“
Mein Fazit für dich
- Gelpad → nein
- Memoryform → vorsichtig
- Lammfell → mein Favorit
Und das Wichtigste zum Schluss
Das Pad kann Probleme lösen oder neue Erschaffen.
Und genau deshalb messen wir bei jeder Satteldruckanalyse auch die Unterlagen mit und schauen im Rahmen der Saddle Matrix, wie sie wirklich im System wirken.