Ein unterschätzter Moment
- Steigst du vom Boden oder von einer Aufstiegshilfe auf?
- Steigst du von links oder von rechts auf? (dann ist es aber schon ganz wild)
Welche Kräfte beim Aufsteigen wirken
- einseitige Belastung des Steigbügels
- seitlicher Zug am Sattel
- ein seitlich verlagerter Schwerpunkt
Was biomechanisch passiert
So sieht das dann aus:

Der entscheidende Punkt: dein Schwerpunkt
Beim Aufsteigen bewegt sich der Reiter nicht über das Pferd nach oben, sondern neben dem Pferd nach außen und der Schwerpunkt liegt seitlich neben dem Pferd.
Die Folge:
👉 Der Sattel wird zur Seite gezogen
👉 und gleichzeitig verdreht
Nicht einfach gerade rum – sondern schief durch den ganzen Sattelbaum.
Auf einer Satteldruckmessung in der Konstellation, sieht man sehr gut, wo die typischen Problemstellen entstehen (mit Pfeilen markiert, das X ist der Schwerpunkt des Reiters am Sattel). Dieses Beispiel ist relaitv moderat, da die Reiterin nicht schwer, aber gross ist, das Pferd wenig Widerrist hat und der Sattel um den Widerrist extrem viel Platz bietet.
Typische Fehler beim Aufsteigen
Aufsteigen mit Schwung
„Hineinfallen“ in den Sattel
gegentreten, sobald man im Sattel sitzt
starkes Ziehen am Hinterzwiesel
sich am Sattel hochziehen
viel Gewicht im Steigbügel bei seitlichem Schwerpunkt
Warum der Sattel dabei schief wird
Wenn du mit einem Fuß im Steigbügel stehst und gleichzeitig am Sattel ziehst, entsteht ein Drehmoment. Das bedeutet: Der hintere Teil des Sattels wird zur Seite gezogen. Der vordere Teil bleibt stabil, verkantet sich nur gegen den Widerrist.
👉 Der Sattel verdreht sich. Nicht sofort sichtbar. Aber mit jeder Wiederholung ein bisschen mehr.
Langfristige Folgen für den Sattel
Wird regelmäßig so aufgestiegen, kann das dazu führen:
der Sattel rotiert dauerhaft
der Sattelbaum verzieht sich
die Polsterung wird einseitig belastet
Besonders weiche Polster reagieren empfindlich. Sie werden auf einer Seite flacher. Die Auflage wird asymmetrisch. Das hat nichts mit „der Sattel passt sich der natürlichen Schiefe an“ zu tun.
Auswirkungen auf das Pferd
Beim Aufsteigen kommt zusätzliches Gewicht auf den Rumpf, sodass er kurz ab sinkt
und muss anschließend wieder angehoben werden. Wenn das Pferd in diesem Moment nicht stabil steht:
👉 startet es bereits aus einer instabilen Situation
Wird zusätzlich der Sattel schief gezogen:
👉 verstärkt sich diese Instabilität weiter
Das Pferd beginnt zu kompensieren und genau das führt langfristig zu Problemen.
Der eigentliche Zusammenhang
Das Aufsteigen wirkt wie ein Startimpuls.
Wenn hier bereits:
Schiefe entsteht
(falsche) Rotation entsteht (ganz wichtiges Thema)
Instabilität entsteht
dann beginnt die gesamte Reiteinheit auf dieser Basis.
Eine einfache Möglichkeit zur Verbesserung
Eine Möglichkeit ist, die entstehenden Kräfte aktiv auszugleichen:
ein Fuß in den Steigbügel – noch ohne Gewicht
mit der anderen Hand auf die gegenüberliegende Seite greifen
beim Belasten des Bügels gleichzeitig gegenhalten
Dadurch entsteht eine Gegenkraft. Der Schwerpunkt verlagert sich schneller über die Mitte.
👉 Die Belastung wird gleichmäßiger
Auch wenn du vom Hocker aufsteigst ist die Technik entscheidend.

Woran du erkennst, ob es funktioniert
Ein stabiler Aufstieg zeigt sich daran:
der Sattel bleibt mittig
er kippt nicht sichtbar
du musst nicht gegensteuern
Alt ultimative Challange: ohne Sattelgurt aufsteigen. Das ist möglich wenn die Technik gut genug und das Pferd brav ist.
Ruhiges Stehen ist kein Zufall
Ein Pferd, das ruhig stehen bleibt, ist kein Zufall.
Es ist:
👉 Training
👉 vorallem Balance
👉 Gewöhnung
Auch das gehört zu einer sinnvollen Vorbereitung auf das Reiten.
