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Aufsteigen: Der erste Moment, in dem Sattelprobleme entstehen

Warum der Sattel oft schon schief wird, bevor du überhaupt losreitest
19. März 2026 durch
Aufsteigen: Der erste Moment, in dem Sattelprobleme entstehen
contact@saddle-concept.lu

Ein unterschätzter Moment

Du steigst (fast) täglich auf, vielleicht sogar mehrmals und trotzdem machen wir uns erstaunlich wenige Gedanken darüber, WIE wir aufsteigen.
Meist geht es nur um zwei Fragen:
  1. Steigst du vom Boden oder von einer Aufstiegshilfe auf?
  2. Steigst du von links oder von rechts auf? (dann ist es aber schon ganz wild)
Über die Technik selbst wird kaum gesprochen: hauptsache wir kommen irgendwie hoch und fallen auf der anderen Seite nicht direkt wieder runter.

Die wichtigere Frage wäre:
👉 Wie steige ich so auf, dass Pferd und Sattel dabei möglichst wenig belastet werden?
Denn:
Das Aufsteigen ist IMMER der erste Moment jeder Reiteinheit.


Welche Kräfte beim Aufsteigen wirken

Beim Aufsteigen wirken mehrere Kräfte gleichzeitig auf Pferd und Sattel:
  • einseitige Belastung des Steigbügels
  • seitlicher Zug am Sattel
  • ein seitlich verlagerter Schwerpunkt
Diese Kombination führt dazu, dass der Sattel:
👉 rotiert
👉 zur Seite gezogen wird
👉 oder beides gleichzeitig passiert


Was biomechanisch passiert

Zunächst kommt Gewicht in einen Steigbügel, dadurch entsteht zwangsläufig eine einseitige Belastung. Der Sattel wird auf der gegenüberliegenden Seite an den Widerrist gezogen.

Besonders problematisch wird es, wenn sich der Reiter zusätzlich am Hinterzwiesel festhält und daran hochzieht, dann entsteht nicht nur Druck nach unten,
sondern ein Drehmoment nach hinten und zur Seite.
So sieht das dann aus:

Reiter steigt auf Pferd auf und hält sich am Hinterzwiesel fest



Der entscheidende Punkt: dein Schwerpunkt

Beim Aufsteigen bewegt sich der Reiter nicht über das Pferd nach oben, sondern neben dem Pferd nach außen und der Schwerpunkt liegt seitlich neben dem Pferd.

Die Folge:

👉 Der Sattel wird zur Seite gezogen

👉 und gleichzeitig verdreht

Nicht einfach gerade rum – sondern schief durch den ganzen Sattelbaum.

Auf einer Satteldruckmessung  in der Konstellation, sieht man sehr gut, wo die typischen Problemstellen entstehen (mit Pfeilen markiert, das X ist der Schwerpunkt des Reiters am Sattel). Dieses Beispiel ist relaitv moderat, da die Reiterin nicht schwer, aber gross ist, das Pferd wenig Widerrist hat und der Sattel um den Widerrist extrem viel Platz bietet.

  • Satteldruckmessung zeigt ungleichmäßige Belastung beim Aufsteigen


Typische Fehler beim Aufsteigen

  • Aufsteigen mit Schwung

  • „Hineinfallen“ in den Sattel

  • gegentreten, sobald man im Sattel sitzt

  • starkes Ziehen am Hinterzwiesel

  • sich am Sattel hochziehen

  • viel Gewicht im Steigbügel bei seitlichem Schwerpunkt


Warum der Sattel dabei schief wird

Wenn du mit einem Fuß im Steigbügel stehst und gleichzeitig am Sattel ziehst, entsteht ein Drehmoment. Das bedeutet: Der hintere Teil des Sattels wird zur Seite gezogen. Der vordere Teil bleibt stabil, verkantet sich nur gegen den Widerrist.

👉 Der Sattel verdreht sich. Nicht sofort sichtbar. Aber mit jeder Wiederholung ein bisschen mehr.


Langfristige Folgen für den Sattel

Wird regelmäßig so aufgestiegen, kann das dazu führen:

  • der Sattel rotiert dauerhaft

  • der Sattelbaum verzieht sich

  • die Polsterung wird einseitig belastet

Besonders weiche Polster reagieren empfindlich. Sie werden auf einer Seite flacher. Die Auflage wird asymmetrisch. Das hat nichts mit „der Sattel passt sich der natürlichen Schiefe an“ zu tun.


Auswirkungen auf das Pferd

Beim Aufsteigen kommt zusätzliches Gewicht auf den Rumpf, sodass er kurz ab sinkt

und muss anschließend wieder angehoben werden. Wenn das Pferd in diesem Moment nicht stabil steht:

👉 startet es bereits aus einer instabilen Situation

Wird zusätzlich der Sattel schief gezogen:

👉 verstärkt sich diese Instabilität weiter

Das Pferd beginnt zu kompensieren und genau das führt langfristig zu Problemen.


Der eigentliche Zusammenhang

Das Aufsteigen wirkt wie ein Startimpuls.

Wenn hier bereits:

  • Schiefe entsteht

  • (falsche) Rotation entsteht (ganz wichtiges Thema)

  • Instabilität entsteht

dann beginnt die gesamte Reiteinheit auf dieser Basis.


Eine einfache Möglichkeit zur Verbesserung

Eine Möglichkeit ist, die entstehenden Kräfte aktiv auszugleichen:

  • ein Fuß in den Steigbügel – noch ohne Gewicht

  • mit der anderen Hand auf die gegenüberliegende Seite greifen

  • beim Belasten des Bügels gleichzeitig gegenhalten

Dadurch entsteht eine Gegenkraft. Der Schwerpunkt verlagert sich schneller über die Mitte.

👉 Die Belastung wird gleichmäßiger

Auch wenn du vom Hocker aufsteigst ist die Technik entscheidend.

Reiterin steigt auf Pferd auf und hält den Sattel selbst in Balance


Woran du erkennst, ob es funktioniert

Ein stabiler Aufstieg zeigt sich daran:

  • der Sattel bleibt mittig

  • er kippt nicht sichtbar

  • du musst nicht gegensteuern

Alt ultimative Challange: ohne Sattelgurt aufsteigen. Das ist möglich wenn die Technik gut genug und das Pferd brav ist. 


Ruhiges Stehen ist kein Zufall

Ein Pferd, das ruhig stehen bleibt, ist kein Zufall.

Es ist:

👉 Training

👉 vorallem Balance

👉 Gewöhnung

Auch das gehört zu einer sinnvollen Vorbereitung auf das Reiten.


Fazit

Das Aufsteigen ist kein nebensächlicher Moment.  Wenn du beim Aufsteigen Schiefe erzeugst, reitest du von der ersten Sekunde an gegen ein Problem an.

Wer solche Zusammenhänge nicht erkennt, sucht die Ursache oft am falschen Ort und genau hier beginnt eine saubere Analyse.
Warum rutscht dein Sattel schief?
Ursachen & was wirklich dahinter stecktText